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Information an Stadträte

BUND-Regionalverband Halle-Saalekreis
Mühlweg 46
06114 Halle (Saale)

Stadtrat der Stadt Halle 19. 01. 2012

Sehr geehrte Stadträtinnen, sehr geehrte Stadträte, sehr geehrte Fraktionsmitglieder,

aufgrund der aktuellen Vorgänge in der Otto-Stomps-Straße und den damit verbundenen Diskussionen in der Öffentlichkeit sehen wir uns veranlasst, Ihnen dieses Schreiben zu senden.

Ausgangspunkt ist der Stadtratsbeschluss vom 27.5.2009, in dem Sie ausdrücklich den Erhalt der Alleebäume in der Otto-Stomps-Straße beschlossen haben.

Durch unsachgemäße, nicht genehmigte und vorsätzlich durchgeführte Baumaßnahmen im Sommer 2011 wurden allerdings 48 Alleebäume so stark geschädigt, dass sie gefällt werden mussten.

Davon ausgehend wurde nun plötzlich auch der Erhalt der Bäume auf der anderen Straßenseite als problematisch dargestellt und gipfelte darin, dass das Straßen- und Tiefbauamt am 12. 10. 11 die Beseitigung der Allee beantragte.

Diese Befreiung vom Verbot der Fällung der nach § 21 Abs. 1 Naturschutzgesetz des Landes Sachsen-Anhalt geschützten Allee wurde am 15.12.2011 von der Unteren Naturschutzbehörde erteilt. Dies, ohne den Stadtrat, die Öffentlichkeit oder Umweltverbände zu informieren.

Der BUND hat bereits fristgerecht gegen diese Befreiung (= Fällgenehmigung) Widerspruch eingelegt.

Unsere Argumente finden Sie im Widerspruchsschreiben (Anlage).

Ergänzt werden sollen hier noch folgende Argumente:

- In der Befreiung wird das Straßen- und Tiefbauamt zitiert, dass durch den Einsatz von Wurzelbrücken ein Gefällewechsel entstünde und zur Mobilitätseinschränkung Behinderter führen würde. Dies ist nicht zwingend, könnte ( von vom BUND favorisierten Nichtausbau des Fußweges Westseite abgesehen) durch eine kontinuierliche Höhe auf Wurzelbrückenniveau dies vermieden werden.

- Die zitierten wirtschaftlichen Gesichtspunkte greifen nicht, da auch nach zeitnaher Fällung nachgepflanzt werden müsste, zudem die Pflege des Ersatzes über mehrere Jahre zudem bedacht werden muss. Wirtschaftliche Gesichtspunkte verletzen auch den Geist der vom Stadtrat verabschiedeten Baumschutzsatzung wie den des Landesnaturschutzgesetzes.

- Klar falsch ist die Behauptung der UNB, die Gehwege wären "schadhaft bzw. unbefestigt, so dass die Bewegungsfreiheit von Fußgängern erheblich eingeschränkt ist". Große Teile des Fußweges auf der Westseite sind sehr gut zweifarbig gepflastert, nur wenige Abschnitte sind wassergebunden, damit nicht schlechter als zum Beispiel nach der Baumaßnahme in der Äußeren Leipziger Straße. Zudem wird ja, ohne auf Bäume Rücksicht nehmen zu müssen, auf der Ostseite ein Fußweg ausgebaut.

Letzterer ist aus unserer Überzeugung, auch unter Berücksichtigung der Diskussionen um Wohn-oder Industriegebiet, bei den wenigen in der Straßen befindlichen Wohnhäusern und der Finanzsituation der Stadt, völlig ausreichend - auf den Ausbau auf der Westseite könnte verzichtet werden.

- Klar falsch ist auch die Behauptung der UNB, wegen der oberflächennahen Wurzeln gäbe es "keine baumschonenderen Alternativen". Die Baumschutzkommission hat vor Ort auf der 123. Baumschau sehr wohl Alternativen aufgezeigt (Stichwort Saugbagger- Anlage).

Sehr geehrte Damen und Herren,

wir bitten Sie daher um eine erneute Diskussion dieser Sachverhalte in den entsprechenden Ausschüssen und im Stadtrat, mit dem Ziel, die noch vorhandene Allee mit zum Teil über 100 Jahre alten Linden zu erhalten.

Im Anhang finden sie die entsprechenden Unterlagen zu den geschilderten Vorgängen.

Mit freundlichen Grüßen



Ralf Meyer
Vorsitzender

Rückfragen bzw. weitere Infos

Heidi Bossert
Fon: 0345 2031002
Fax: 0345 / 68 58 99 56
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